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Eike Pockrandt hat im Juni sein Abitur am MG gemacht und macht momentan ein Freiwilliges Soziales Jahr in London. Wir danken Eike recht herzlich für diesen Bericht. |
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| London im Dezember 07 | |||||||
Ein FSJ in London... |
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Vor ungefähr einem Jahr begann ich notgedrungen mir Gedanken über meine weitere Zukunft zu machen. Nicht dass ich keine Träume gehabt hätte, keine Interessen und Ideen: Es waren die unendlichen Möglichkeiten die mir offenstanden und Angst machten. Ist dies das richtige, gar das Beste für mich? Werde ich hier wirklich glücklich? Und wo bitte fange ich an? Allen, die zurzeit vor ebensolchen Entscheidungen stehen, mag dieser kleine Bericht über mein FSJ in London eine kleine Anregung sein. Gut drei Monate sind nun vergangen seitdem ich vom dreiwöchigen Vorbereitungsseminar meiner Entsendeorganisation der „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“ in Süddeutschland nach Greenwich in London aufgebrochen bin. Hier arbeite ich in einer kleinen Waldorfschule mit ca. 50 Schülern und 4 Klassenlehrerinnen als „assistant teacher“. Rein technisch bedeutet das, dass ich den Lehrern in fast jedem Unterricht, vor allem jedoch in Deutsch, Games and Movement, Handwork und Painting zur Seite stehe, Vertretungsstunden gebe, Pausenaufsicht führe und die Klassen auf Ausflüge begleite. Und na ja, zugegeben, ein bisschen Depp für alles Andere bin ich auch noch. |
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Nach meiner T2 – Musterung habe ich mich Ende letzten Jahres für eine Bewerbung bei diversen Organisationen, die ein vom Bundesamt für den Zivildienst anerkanntes FSJ oder ADIA im Ausland anbieten, beworben. Immernoch sind diese Dienste unter Jugendlichen eher unbekannt und die Plätze stark begrenzt, es bewerben sich bis zu 30 junge Wehrpflichtige auf eine Stelle. Oft sind jedoch zeitige Einsendung der Unterlagen, Flexibilität bei der Einsatzortvergabe und selbstbewusstes Auftreten bei den Vorstellungsgesprächen Entscheidungsfaktoren. Es besteht also gar kein Grund, sich diese einmalige Erfahrung von vorneherein zu versagen. Allein meine Entsendeorganisation schickt bis zu 300 Freiwillige in alle Länder dieser Welt. Dort arbeiten sie in Kindergärten, Schulen, heilpädagogischen Einrichtungen oder Jugendhäusern. Alle Jobs haben unterschiedliche Profile, sodass für wirklich jeden etwas dabei ist. Beispielsweise legte ich bei meinen Bewerbungen Wert darauf, möglichst in einer Schule im pädagogischen Bereich tätig zu sein und siehe da, es hat geklappt. Generell kann man wohl sagen, dass Freiwilligen im Ausland eine hohe Verantwortung in der Ausführung ihres Jobs zukommt, anders als vielleicht in manchem Zivi-Job in Deutschland. Denn die oft von Spenden abhängigen Einrichtungen setzen ihre FSJler als eigenständige Mitarbeiter – Betreuer, Lehrer, Pfleger ein, und erwarten weiterhin, dass eigene Stärken und neue Ideen eingebracht werden. Für mich ist es großartig mit dieser Verantwortung und auch für mehr Verantwortung zu wachsen. Auf meinen Einsatz wurde ich von den „Freunden“ wie oben erwähnt in einem dreiwöchigen Seminar vorbereitet. Recht, Versicherung, Pädagogik und Verhalten als deutscher im Ausland – alles wurde hier ausführlich thematisiert. Nach meinem Dienst wird sich eine Nachbereitungswoche anschließen und während meines Dienstes nehme ich an einem einwöchigem Seminar in England teil. Anders als der Militärdienst oder der Zivildienst in Deutschland dauert das FSJ im Ausland jedoch 12 statt 9 Monate und außerdem musste ich einen Spenderkreis aufbauen um ca. ein Drittel der auftretenden Kosten zu finanzieren. Manchem mag es paradox erscheinen, für erbrachte Arbeit auch noch zahlen zu müssen – je nach Wunschland 2000 bis 4000 Euro. Soviel steht fest, durch ein FSJ im Ausland wird man an Geld nicht reicher, da aber monatliches Taschengeld, Verpflegungsgeld, Wohngeld und deutsches Kindergeld weitergezahlt wird, auch nicht zwingend ärmer. Im Schnitt reicht das Einkommen aus um gut im Gastland zu leben – nächtliche Partytrips, Musicalbesuche und Reisen durchs Land bedürfen dann jedoch weiterer Zuschüsse. Insgesamt bleibt das FSJ im Ausland so aber viel günstiger als jedes Auslandsjahr während der Schulzeit – und kommt, so finde ich, auch zu einem angebrachteren Alter und Entwicklungszeitpunkt. So kann ich mein FSJ, meine Entsendeorganisation und meine Dienststelle wirklich nur weiterempfehlen. Ich wohne in einer sehr netten und gar nicht typischen britischen Familie in Southwark, Southeast London. Mit dem Fahrrad bin ich in 15 Minuten direkt im wunderschönen Greenwich, meinem Arbeitsplatz, und mit dem Doppeldecker in 40 Minuten am Piccadilly Circus. Von 8-4 Uhr bin ich wochentags normalerweise in der Schule, danach finden oft aber noch Kollegiumstreffen statt, an denen auch ich teilnehme. Besonders interessant finde ich die wöchentlich von den Lehrern an Waldorfschulen durchgeführte „child study“. Alle Lehrer wählen für eine Woche ein Kind - egal ob auffällig, schulisch gut oder schlecht - aus, das sie ohne dessen Wissen eine Woche beobachten. Auf dem Treffen wird dann besprochen, wie man gemeinsam die Gaben und Vorzüge des Kindes fördern und seinen Schwächen begegnen soll. Der Umgang der Lehrer und Schüler miteinander ist von großem Respekt geprägt und die Unterrichtsmethoden unterscheiden sich grundlegend von denen am Mariengymnasium. Aber eine weitere Vertiefung würde definitiv den Rahmen dieses Berichtes sprängen.
Nach 4 Uhr bin ich dann mir selbst überlassen. Die vielen schönen Tage – und glaubt mir, dass es in London immer nur regnet, ist das größte Vorurteil auf Erden – habe ich meist in einem der Parks verbracht. Oft treffe ich mich auch mit anderen deutschen Freiwilligen aus London oder unternehme etwas mit meiner kleinen Waldorfschulgemeinschaft. Ohne Zweifel ist diese etwas ganz Besonderes. Die Eltern dieser Kinder lassen sich die Erziehung ihrer Kinder viel Geld und Mitarbeit in der kleinen Schule kosten und sind überzeugt, dass staatliche Schulbildung die individuelle Entfaltung der Kinder stört. So kommen in der Greenwich Steiner School London die kreativsten Köpfe aus allen Sparten und Ländern zusammen. Noch nie war ich mit so vielen Schauspielern, hauptberuflichen Dichtern, Malern, Sängern, Tänzern oder Architekten zusammen. Und ihren „German volunteer“ schleppen die an so manche interessante Orte Londons, die ich sonst wohl nie kennensgelernt hätte. Insgesamt kann ich wirklich jedem, der sich noch nicht hundertprozentig sicher über seine Zukunft ist, der sich noch jünger fühlt als er ist, jedem der einen Perspektivwechsel wünscht, der fort will von zu Hause oder von der Richtigkeit eines sozialen Jahres im Lebenslauf eines jungen Menschen überzeugt ist, jedem der offen für Neues, Abenteuer und Chaos ist, ein FSJ im Ausland empfehlen. Für mich und meine Entwicklung sicher das beste, was mir passieren konnte. So stehe ich auch jedem, der Fragen hat, vielleicht zufällig bald mal nach London kommt oder dem langweilig ist J zur Verfügung.
Ich freue mich auf ein Wiedersehen um Weihnachten, bis dahin alles Gute nach Jever und besonders ans MG, |
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wichtige links: Meine Entsendeorganisation (weniger Waldorf, als es sich zuerst anhören mag): http://www.freunde-waldorf.de/ Meine Schule: http://www.greenwichsteinerschool.org.uk/ Meine E-Mailadresse: eikepockrandt[at]web.de |
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