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Unsere MG-Schülerin Germaine Kickert ist zu einem Austauschjahr an der Orono High School im Bundesstaat Maine in den USA. |
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November 2007 |
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Hier ist nun endlich mein erster Bericht aus Maine / USA! Bis jetzt hatte ich leider noch keine Zeit einen Bericht zu schreiben, da die Hausaufgaben hier echt erdrueckend sind! Aber ich sollte besser der Reihe nach gehen. Am 10. August war es endlich so weit. Der lang ersehnte Tag des Abflugs war endlich da. Ich hatte schon ziemlich viel mit meiner Gastmutter und auch einige Male mit meinem Gastbruder telefoniert und fand beide sehr sympathisch. Deshalb startete ich mit sehr positiven Gefühlen in den Tag des Abflugs. Ich musste um sechs Uhr morgens am Flughafen in Frankfurt/Main sein und mich dort von meinen Eltern verabschieden, was für meine Eltern viel schwerer war als für mich, da ich ja ein Abenteuer vor mir hatte, auf das ich mich freuen konnte, während sie einfach ein Jahr zu zweit sein würden. Direkt nach dem Verabschieden ging ich zusammen mit den anderen PPP-lern zum Einchecken. Am nächsten Morgen war es dann aber endlich so weit. Meine Gastfamilie kam - meine Gastmutter - um mich abzuholen. Von da an war echt alles so gut wie perfekt. Ich hatte sofort einen super Start, da mein Gastbruder genauso wie ich, total gern Schach spielt und deshalb das erste was wir zusammen gemacht haben, war zwei Partien Schach zu spielen. Spätestens danach war das Eis gebrochen. Die restlichen Sommerferien waren echt super. Als dann die Schule begann, war es erst mal ein totaler Schock, wie viel Hausaufgaben man hier bekommt. Mittlerweile habe ich mich einigermassen daran gewöhnt, aber es ist immer noch ziemlich extrem. Wahrscheinlich liegt das jedoch auch daran, dass ich zwei AP Kurse (Advanced Placement, was bedeuted, dass diese Kurse auf Collegeniveau unterrichtet werden und wenn man am Ende des Jahres den AP Test besteht, kann man später im College gleich mit dem zweiten Kurs beginnen). Dieses Kurse sind echt eine tolle Möglichkeit, aber die Lehrer erwarten sehr, sehr viel eigene Recherchen und dass man sein ganzen Alltag danach ausrichtet für den Kurs zu lernen. Ich habe AP Calculus (Analysis) und AP US Geschichte gewählt. Der Geschichtskurs ist echt sehr, sehr hilfreich, um sowohl die amerkanische Identität als auch das politische System zu verstehen, da wir sehr detailliert die Geschichte von der ersten Kolonie bis zur heutigen Zeit untersuchen und unser Lehrer sehr kritisch gegenüber der US Geschichte ist, was man ja nicht unbedingt erwartet, wenn man an Amerika denkt. Im Moment sprechen wir gerade über Andrew Jackson’s Präsidentschaft, und wir haben schon zum dritten Mal eine Gerichtsverhandlung abgehalten, diesmal darüber, ob ein Amtsenthebungsverfahren gegen Andrew Jackson gestartet werden sollte. Die Klasse wird in drei Gruppen eingeteilt, Gruppe A, Gruppe B und Richter. Gruppe A und B bekommen eine These zugewiesen und müssen Argumente für diese These finden, egal ob sie übereinstimmen oder nicht. Jeder schreibt seine Argumente über ein spezielles Thema, diese werden gruppenweise kopiert. Danach schreibt jede Gruppe eine Eröffnungsrede. Nachdem die Eröffnungsreden verlesen worden sind, wird die Gerichtsverhandlung abgehalten. Die Richter befragen zuerst die eine Seite und dann die andere und meistens kommen die Richter gar nicht so recht zum Fragen stellen, da die jeweilige andere Seite auch Fragen stellen kann. Nach der Verhandlung schreiben beide Gruppen ihr Schlussreden und dann liegt es in der Hand der Richter zu entscheiden. Die Richter geben ihre Entscheidung mit ihren individuellen Begründungen 1 oder 2 Tage später bekannt. Das tolle an diesen Gerichtsverhandlungen ist, dass man bemüht ist, so viel wie möglich über die Zeit zu lernen, um die Verhandlung zu gewinnen und ausserdem ganz neue Gesichtspunkte in Erwägung zieht, da man für etwas argumentieren muss, das zum Beispiel nicht passiert ist (z.B. Revolution oder Versöhnung mit England) und am Ende entweder seine Meinung geändert hat (Die Richter entschieden, dass Amerika sich mit England versöhnen sollte) oder jetzt weiß, wie man seine Meinung verteidigen kann. Außer diesem Geschichtskurs, hatte ich einige andere Möglichkeiten um Amerika besser zu verstehen. Bereits in den Sommerferien, bin ich zusammen mit meiner Gastmutter zu einer Party gegangen, wo ein Demokrat, der für den Senat kandidieren wird, seine Einstellungen dargelegt hat und den Zuhörern danach die Möglichkeit gegeben hat, Fragen zu stellen. Während dieser Frageperiode, wurde es ganz klar, dass der Irakkrieg zur Zeit ein ganz heißes Thema ist, viele Leute wollten über nichts anderes sprechen, als darüber was für Möglichkeiten es gibt, möglichst schnell aus dem Irak heraus zu kommen. Ähnlich sah es bei einem Vortrag an der University of Maine aus, der sich mit den Gründen und Ursprüngen des Irakkriegs beschäftigte. Außerdem habe ich einen Vortrag über die Watergate Affaire besucht, der von den gleichen Leuten gehalten wurde. Ich hatte außerdem schon das Glück zwei außergewöhnlich schöne Orte hier in Maine zu besuchen. Der eine war Berg und See Katahdin, im Baxter State Park (ein Naturschutzgebiet in Nord Maine), wo wir wandern und Kanu fahren gegangen sind. Das war eine Beschäftigung für den ganzen Tag und man hatte, immer wieder wunderschöne Ausblicke. Leider hatten wir nicht das Glück Elche beobachten zu können, aber dafür habe ich mich in den Kot eines Bären gesetzt. Riecht echt nicht besonders gut! Der andere Ort war Bar Harbor, das ist an der Atlantikküste und man hat echt einen tollen Ausblick auf einige kleine Inseln vor der Küste. Diese zwei Tage waren wunderschön, und ich habe es einfach genossen, obwohl wir in Bar Harbor gar nichts besonderes unternommen haben, war es einfach toll ganz entspannt, ohne über irgendwelche Hausaufgaben nachzudenken, was zusammen zu machen! Meine Eindrücke von Amerika sind im Moment, dass die meisten Vorurteile nur auf eine Minderheit zutreffen, allerdings bin ich hier in einer sehr liberalen Gemeinde gelandet und kann natürlich nur über diese sprechen. Meine Gastfamilie ist auf jeden Fall das absolute Gegenteil von dem, was man denkt, wenn man an Amerika denkt. Mein Gastbruder und meine Gastmutter mögen absolut kein Fastfood, haben nicht den ganzen Tag den Fernseher am laufen, sind an Fremdsprachen interessiert und sind umweltbewusster als die meisten Deutschen. Ich würde nicht behaupten wollen, dass das für alle Amerikaner zutrifft, aber in der Region wo ich zur Zeit lebe, ist es zumindest nicht wesentlich anders als in Deutschland. Es gibt jedoch eine Sache, die absolut zutrifft: Alles ist mindestens drei mal so groß wie in Deutschland! Ich hab hier auf jeden Fall ein total tolles Erlebnis, lerne Schüler aus aller Welt kennen (an meiner Schule sind 5 weitere Austauschschüler) und beginne langsam einige Ursprünge für die amerikanische Identität zu verstehen. Diese Erlebnisse sind echt unersetzbar, und ich bin sehr dankbar, dass ich durch Hans Werner Kammer und dem Parlamentarischen Patenschafts Programm diese Möglichkeit habe. |
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| Germaine und Gabe | |||||||
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