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Ein Jahr in Neuseeland

   
    Von Janna Liebs    
   

Im November 1990 Jahren stieg ein fast 4-jähriges Mädchen mit seinen Eltern und dem geliebten Teddy in ein Flugzeug mit dem Ziel Auckland, Neuseeland. Dort trampte die kleine Familie drei Monate durch das Land am „schönsten Ende der Welt“. Übernachtet wurde im Zelt oder bei Freunden.

Jahre später habe ich nur noch sehr wenige Erinnerungen an diese frühe Reise, aber jedes Mal, wenn wir Dias vom Neuseeland-Urlaub anguckten, wurde der Wunsch, dieses Land noch einmal zu besuchen, stärker. In der zehnten Klasse boten mir meine Eltern an, ein Schuljahr in Neuseeland zu verbringen, aber diese Idee überzeigte mich nicht so ganz. Aber ich nahm mir vor, nach dem Abi für ein Jahr in Neuseeland zu gehen.

Mitte März 2006 begannen Reisevorbereitungen. Es gibt viele Möglichkeiten, einen Aufenthalt in Neuseeland zu gestalten:

  • Praktikum
  • Teilnahme an einem Programm, wo man dann z.B. in einem Kinderheim arbeitet (wie Lena K. in Südamerika)
  • Au pair
  • Work and Travel, was in Neuseeland als „Working Holiday” bezeichnet wird

Meine Wahl fiel schnell auf das Working Holiday, was die Frage „Organisation oder auf eigene Faust?“ aufwarf. Da meine Eltern vor meiner Zeit etwas ähnliches gemacht hatten und die Organisationen nicht gerade niedrige Preise haben, beschloss ich, mich allein durchzuschlagen. Als erstes wurde der Flug gebucht (Qantas, ca. 1200€), dann das Visum beantragt, was man ganz bequem über das Internet (www.immigration.govt.nz) machen kann. Dann braucht man noch eine Reisekrankenversicherung (ca. 1 € pro Tag), Geld (z.B. in Form von Travellercheques) und einen großen Rucksack, schließlich reist man dann als Backpacker durch die Weltgeschichte. Als nützlich bei der Planung und Vorbereitung hat sich das Buch „Neuseeland Reisen und Jobben“ im Reise Know-How-Verlag für ca. 9€ erwiesen.

   
       
    Busch im Fjordland Nationalpark
Fjordland Nationalpark
   
   

Am 18. August 2006 gings dann endlich los, der Abschied von Freunden und Familie war natürlich schwer, aber es sollte ja „nur“ für 10,5 Monate sein. Der Flug dauerte etwa 25 Stunden und war aus meiner Sicht nicht besonders angenehm, u.a. da ich unter der Reisekrankheit litt. Qantas und andere Fluggesellschaften versuchen aber, einem die Zeit mit Filmen und Spielen etc auf dem kleinen Bildschirm in Sitz des Vordermanns möglichst angenehm zu gestalten.

Endlich in Auckland angekommen, tauschte ich etwas Geld und fuhr mit dem Bus in die Innenstadt, von wo aus ich schwer gepackt mit zwei Rucksäcken (13 und 3 KG) zum Hostel lief. Unterwegs kaufte ich in einem Laden mit asiatischen Schriftzeichen einen Apfel. Im Hostel angekommen, lernte ich auch gleich zwei nette Deutsche kennen. Mit einem Mädchen in meinem Alter verbrachte ich die nächsten Tage in Auckland und wir gingen u.a. auf einer Farm nördlich von Auckland reiten. Da ich schon vorher mit Pferden gearbeitet hatte, bot mir der Besitzer auch gleich an, dass ich auf der Farm für ein paar Wochen gegen Kost und Logis arbeiten könne. Auf dieses Angebot kam ich 2 Wochen später zurück, nachdem ich Whangarei und die Bay of Islands im Northland erkundet hatte. Ich blieb 6 Wochen auf der Farm, wo ich die Zeit mit Reiten, Pferde putzen und für Ausritte fertig machen, Reitunterricht geben, Schafe durch die Gegend jagen und Quadbike fahren verbrachte. Es war eine sehr schöne Zeit und ich habe viel gelernt. Jeden Morgen haben wir zwei kleine Ziegen mit der Flasche gefüttert, eine andere Ziege gemolken und die Pferde mit dem Quadbike und den beiden Sheepdogs (Collies) zur Farm geholt. Später fanden wir ein kleines Lamm, das bei starkem Regen seine Mutter verloren hatte, und ich war die glückliche, die es jeden Tag zwei bis drei Mal mit der Flasche füttern durfte.

Irgendwann aber wollte ich auch weiterreisen, ich hatte ja noch nicht allzu viel vom Land gesehen. Ich besuchte eine auf der Farm kennen gelernte Freundin in Auckland und ging mit ihr zwei Tage auf das College, das sie besuchte. Das war sehr interessant. Dann brach ich auf in Richtung Coromandel Halbinsel, die mir gut gefallen hat. Ich lernte Max und Wolfgang, zwei Jungs aus Bayern, kennen und wir reisten für die nächsten vier Wochen gemeinsam im Subaru „Hiroko“ über die Nordinsel. Ein Auto ist sehr praktisch, man ist ungebunden, besonders wenn es Allradantrieb hat. Die erste Woche, die wir in Tauranga und am Eastcape verbrachten, war Christin auch mit dabei. Das Eastcape hat mich ganz besonders begeistert; es leben sehr wenige Menschen dort und es gibt eigentlich nur das Meer und Busch und ab und zu einen Schafstau auf der Straße. Es leben auch sehr viele Maoris, die Ureinwohner Neuseelands, in der Ecke. Böse Zungen behaupten, sie würden Backpacker ausrauben, aber wir haben ganz andere Erfahrungen gemacht. Die, die wir trafen, waren sehr nett und gastfreundlich. Nur eines war etwas beunruhigend, nämlich saßen wir in etwas größerer Runde ums Lagerfeuer und plötzlich hörte man eine Art Schnarchen aus dem Busch und der eine, Hamai, sprang auf und rannte ins Haus. Er kam mit einer riesigen Taschenlampe und einem Gewehr wieder und zielte in Richtung Baum. Dort versteckten sich nämlich Opossums, die eigentlich ganz niedlich und flauschig aussehen, aber da es ca. 70 Millionen von den Viechern in Neuseeland gibt, sind sie als Plage anzusehen. Opossums sind katzengroße Beuteltiere und ernähren sich vielseitig und naschen auch gern mal ein Kiwiküken oder –ei. Die Straßen in den ländlichen Gebieten sind oft gepflastert mit 2D-Opossums.

Nach dem Eastcape machten Max und ich den Te Urewera-Track, der zu den neun Great Walks gehört. Als Track wird meist eine mehrtägige Wanderung bezeichnet. Wir liefen vier Tage mit Sack und Pack um den See Waikaremoana. Meine erste große Wanderung und ich war begeistert. Die ersten drei Tage gingen wir 3-6 Stunden und meist ging es durch den Wald. Das Wetter war in Ordnung bis auf den 3. Abend, da schüttete es und wir bauten unser Zelt in einem Unterstand auf. Am nächsten und letzten Tag mussten wir ca. neun Stunden laufen und einen recht hohen Berg überqueren. Die ersten Stunden regnete es noch und der Aufstieg war sehr schwer und mühsam. Aber auf dem Bergkamm klarte es plötzlich auf und man hatte eine atemberaubende Sicht bis zum Meer, das ca. 200km entfernt war. Da waren sofort alle nassen Klamotten und Füße vergessen und als wir dann noch die letzten Reste aßen, fühlten wir uns wieder richtig gut und wir machten uns frohen Mutes wieder an den Abstieg. Später im Auto aßen wir aber erst einmal eine große Tafel Schokolade.

Unser nächstes Ziel war dann Rotorua, im Zentrum der Nordinsel. Wir wurden vorher schon gewarnt, dass es dort stark nach Schwefel stinken sollte und das nicht zu Unrecht! Das Central Plateau, auf dem sich Rotorua und auch Taupo befinden, ist ein Thermalgebiet. Überall gibt es heiße, mineralienreiche Quellen, kochenden Schlamm und Geysire. Das meiste befindet sich in Thermalparks, wo man dann Eintritt zahlen muss, aber es lohnt sich! Des weiteren kann man in Rotorua auch die traditionelle Maorikultur in ihrer ganzen Vielfalt kennen lernen und z.B. an einem Hangi, einem traditionellem Essen teilnehmen.

Wir machten dann einen kleinen Abstecher in den Westen, zu den Waitomo Caves. Wir waren etwas enttäuscht, schließlich gibt es dort eigentlich nur Höhlen mit Glühwürmern drin. Aber die Tourismusindustrie macht Touren, die Black Water Rafting und andere Adrenalinsportarten mit einschließen. Aber die waren uns dann doch zu teuer und wir guckten nur in ein paar Höhlen, die frei zugänglich waren, hinein. Manche sind schon eindrucksvoll, wenn das Wasser hindurchschießt. Anschließend fuhren wir nach Taupo, pünktlich zu den Enduro Sixdays waren wir da und blieben eine Woche. Die ersten Nächte verbrachten wir umsonst auf dem Zeltplatz der Helfer der Sixdays, dann regnete es aber zu viel und wir flüchteten ins Hostel. Da Max Motorcross fährt, waren wir eigentlich jeden Tag bei einer Rennstrecke und auch für mich, die sich nicht für Motorsportarten interessiert, war es faszinierend, wie hoch und weit so ein „Mopped“ springen kann! Nach Taupo fuhren wir dann über Whanganui nach Wellington, wo die Zeit des Abschieds kam.

Für mich war schnell klar, dass ich in Wellington bleiben wollte, die Hauptstadt Neuseelands hat einen ganz besonderen Charme. Also sagte ich Wolfgang und Max auf Wiedersehen und sie zogen weiter auf die Südinsel. Ich machte mich auf Jobsuche, was nicht gerade einfach ist als Backpacker, da potentielle Arbeitgeber nicht begeistert sind, wenn man sagt, man bleibt nur ein paar Wochen, vielleicht 2 Monate. Aber ich hatte Glück und konnte einen Job als Kellnerin in einem kleinen Café bekommen. Dann arbeitete ich noch in einem italienischen Restaurant zur Probe, was auch erfolgreich war und hatte somit ziemlich viel Glück. Ich fand schnell Freunde im Rosemere, einem Hostel. Die meisten waren Deutsche in meinem Alter, die auch länger in Wellington blieben. Liane munterte mich am Abend, nachdem Wolfi und Max gefahren waren, auf und da wir etwa die gleichen Interessen hatten, unternahmen wir auch recht viel zusammen. 2 Tage später lernte ich noch Thorben kennen, mit dem ich mich auch sehr gut verstand und wir machten lustige Aktionen. Später kam noch Helena dazu, die Liane und Thorben schon vom Beginn ihrer Reise kannte. Zu allen dreien habe ich auch jetzt noch Kontakt, was sehr schön ist. Im Rosemere lernte ich auch noch einen Maori kennen, der war allerdings ganz anders. Er lebte seit mehreren Monaten im Rosemere, war schwul und 40% der Zeit nicht nüchtern. Aber ein netter Kerl, auch wenn er auf den ersten Blick komisch wirkte, weil er z.B. als Queen verkleidet durch die Gegend torkelte. Ich feierte Weihnachten, Silvester und meinen Geburtstag im Rosemere und hatte eine schöne Zeit.

Nach zwei Monaten aber packte Thorben und mich das Reisefieber wieder und wir wollten weiter. Also zogen wir los, mit der Fähre rüber auf die Südinsel. Wir trampten von Picton nach Nelson, wo es uns sehr gut gefiel und wanderten dann 3 Tage im wunderschönen Abel Tasman Nationalpark. Dieser Track war sehr einfach, wir liefen ihn mit 3 anderen Mädels und von denen liefen 2 fast die ganze Zeit barfuss. Ein Teil des Wegs geht direkt am Strand lang und manchmal muss man auch durchs Wasser, also muss man auf die Tide achten. Auf der Rückfahrt mit dem Wassertaxi sahen wir noch Delfine, das war sehr schön! Wir hatten auch die ganze Zeit blauen Himmel... traumhaft!

Am 3. Abend in Nelson, im Tasman Bay Backpackers, lernte ich drei Engländer (David, Chris und Duncan), eine Deutsche (Katja), einen Holländer (Bart) und einen Kanadier (Tyson) kennen, die lustig Karten spielten und mit Gitarre sangen. Ich durfte mitspielen und am nächsten Abend gingen wir aus und ich merkte, dass ich da ein paar sehr nette Leute erwischt hatte und beschloss, in Nelson zu bleiben und einen Job zu suchen. Ich wurde schnell im Lambretta’s genommen, einem Café bzw. Restaurant. Meine „workmates“ waren alle sehr nett, der Chef auch und die Arbeit machte meistens viel Spaß. Da Nelson ein Sonnenloch ist, verbrachten wir auch viel Zeit am Strand und fuhren ein Wochenende in die Golden Bay. Ich besuchte ein Konzert der Black Seeds, eine neuseeländischen Reggae/Dub-Band, was mir sehr gut gefallen hat und wir hatten oft Sangria-Abende im Hostel.

 

   
       
    Mt Tasman, Beim Fox Gletscher
Fox Gletscher
   
   

Nach wieder zwei Monaten wollte ich dann aber doch noch den Rest der Südinsel sehen und zog alleine los. Ich reiste mit dem Bus die Westküste runter, besuchte die Pancake Rocks in Punakaiki und die Gletscher Fox und Franz Josef. Die waren ziemlich beeindruckend, ich hatte so etwas vorher noch nie gesehen. Hier merkt man wieder, wie klein Neuseeland doch ist: Schnee, Gletscher, Regenwald, Strand und das Meer auf nur 30 km gibt es nicht überall. Meine nächste Station war dann Wanaka, wo ich Helena wiedertreffen wollte, die dort wohnte. Der Weg ging über den Haast Pass, der mich auch fasziniert hat. Viel Flüsse und alle eisblau, dann Regenwald und schneebedeckte Berge, dann auf der anderen Seite plötzlich braunes, vertrocknetes Gras und tiefblaue Seen. Viele Seen in Neuseeland haben extreme Farben, von türkis bis milchig blau. Mit Helena feierte ich dann ein fröhliches Wiedersehen und blieb ein paar Tage in ihrer WG in Wanaka, wo ich dann Tim kennen lernte, mit dem ich weiterreiste. Erstmal nach Queenstown, DER Adrenalinhauptstadt Neuseelands. Hier kann man Bungeejumping machen in allen erdenklichen Variationen sowie Jetboating oder White Water Rafting. Ausprobiert hab ich allerdings nicht, da es für Wasseraktionen zu kalt geworden war und Bungee mich noch nie fasziniert hatte. Tim und ich fuhren dann ins Paradies (ja, das heißt wirklich so!), das bei Glenorchy liegt. Das Wetter war eher bescheiden, aber schön war’s trotzdem im Paradies. Die Straße war eine der ganz besonderen Sorte, Schotterstraßen („gravel roads“) gibt es viele in Neuseeland, aber diese hatte 9 Furten und Millionen von Löchern und war deswegen nur für Allradfahrzeuge geeignet (Tim fuhr einen Bulli). Unsere Reise führte uns dann in den tiefen, kalten und verregneten Süden, nach Invercargill. Keine schöne Stadt, also wollten wir schnellstmöglich wieder weg. Gerne nach Steward Island, aber dafür regnete es zu viel, dort kann man kaum etwas anderes machen als wandern und Vögel gucken. Also fuhren wir in Richtung Milford Sound. Ein paar Kilometer vor dem Dorf wurde endlich einer meiner Träume wahr: ich traf endlich auf Keas. Keas sind Bergpapageien, die von Gummi und besonders Autos magisch angezogen werden. Mit ihrem starken Schnabel und ihrer Intelligenz kriegen sie alles kaputt, auch Autoreifen. Auf dem Sound, der eigentlich ein Fjord ist, machten wir einen „Cruise“, eine Schifffahrt. Ich fand Milford Sound sehr beeindruckend, aus dem Wasser ragen 100m hohe Wände im 90° Winkel hoch und wenn es regnet, gibt es Tausende von Wasserfällen. Vom Fjordland aus fuhren wir wieder in Richtung Osten, über Invercargill in die Catlins. Leider war das Wetter schlecht und wir sahen nicht viel. Nach zwei Tagen kamen wir dann nach Dunedin, eine schöne und lebendige Stadt. Hier verbrachte ich 6 Tage, Tim blieb, um das Auto zu verkaufen. Ich fuhr mit dem Bus weiter in den Norden, nach Oamaru, um von dort aus zum Mt. Cook zu gelangen, dem höchsten Berg Neuseelands (3755m). Ich hatte Glück, spät am Abend antwortete Beto, ein Bolivianer auf meine am schwarzen Brett angebrachte Anzeige und am nächsten Morgen zogen wir los ins McKenzie Country. Diese Gegend ist ziemlich einsam und sehr trocken. 50km weiter im Westen ist der Regenwald, aber die Wolken werden von den Südlichen Alpen aufgehalten und nur wenig Regen fällt auf der Ostseite. Beim Mt. Cook machten wir zwei kleine Wanderungen und am nächsten Tag fuhren wir zum Lake Tekapo. Dieser schöne See ist milchig blau durch die Mineralien, welche von den Gletschern, die den See speisen, stammen. Anschließend fuhren wir zurück nach Oamaru, um nach gelbäugigen Pinguinen Ausschau zu halten. Diese seltenen Gesellen kommen erst in der Dämmerung ans Ufer und sind angeblich sehr scheu. Wir fuhren zum Strand und dort waren auch schon ein paar andere Leute. Nach ein paar Minuten warten erspähten wir die ersten Pinguine am Strand und etwas später kletterte plötzlich einer genau vor unserer Nase den Hügel herauf, auf dem wir standen, guckte verwirrt in die Runde und als wir alle einen Schritt zurücktraten, wackelte er weiter. Wir fuhren schnell weiter zur Blauen Pinguin-Kolonie, um die kleinsten Pinguine der Welt zu sehen. Die sind auch sehr putzig und etwa so groß wie ein Kaninchen. Am nächsten Tag brachte Beto mich nach Christchurch, wo ich ein paar Tage blieb und unter anderem eine Zugfahrt mit dem Tranz Alpine über die Alpen nach Greymouth machte. Dann fuhr ich schließlich weiter nach Kaikoura. Kaikoura ist bekannt dafür, dass sich vor der Küste ganzjährig Wale, meist Pottwale, aufhalten. Als Kind war ich sehr traurig, dass ich nicht mitdurfte, als meine Mutter zum Whalewatchen aufs Boot kletterte. Also wollte ich dies nachholen. Aufgrund des starken Seegangs war es aber nicht möglich, hinauszufahren, also verbrachte ich den Tag damit, um die kleine Kaikoura-Halbinsel zu laufen. Am nächsten Tag fuhr ich mit einer Holländerin nach Nelson, worauf ich mich schon seit einiger Zeit sehr freute.

LiquorKing Nelson (Bottleshop) bot mir schnell ein Job als Verkäuferin an, den ich dankend annahm. Ich kannte meine Kollegen schon von vorher, da David auch dort arbeitete. Auch dieser Job machte meistens Spaß und nebenbei konnte ich ein Praktikum in der Grundschule machen, was mir sehr gut gefiel. Kinder sind immer wieder faszinierend und diese waren begeistert davon, jemanden aus einem anderen Land, der eine andere Muttersprache hat, in ihrer Klasse zu haben. Einen Tag durfte ich selbst den Kindern etwas beibringen und wir behandelten das Thema Sturmfluten und Deichbau in Friesland. Die Kinder waren sehr aufmerksam und interessiert und als ich mein Praktikum beendet hatte, machten sie einen kleinen Film über Janna, die nach Neuseeland kam, um zu lernen, wie man dort unterrichtet. Nach ein paar Wochen aber wollten David und ich noch einmal zu zweit um die Südinsel reisen und wir bekamen zwei Wochen Urlaub dafür. Unserer italienischen Freundin Francesca kauften wir ihren Nissan Sentra für ca. 100 € ab und los gings. Wir fuhren etwa die gleiche Route wie ich auf meinem ersten Trip. Kurz vorm Lake Tekapo segnete das Auto „Bo“ allerdings das Zeitliche und wir standen mit Sack und Pack auf der Straße. Zum Trampen hatten wir zu viel Gepäck und eigentlich wollten wir noch dies und jenes von Bo mitnehmen. Der Mann von der Werkstatt, bei der wir Bo verschrotten lassen mussten, erzählte uns, dass eine Frau im Nachbardorf, das etwa 50km entfernt war, ihr altes Auto verkaufen würde, also trampte David dorthin und befand es als gut genug, um uns bis nach Nelson zu bringen. Das Auto war allgemein als „The Red Rocket“ bekannt. Wir wunderten uns, woher dieser Name stammte, wenn der 25 Jahre alte Ford Laser nur Spitze 110 km/h fuhr. Jemand erzählte uns, dass die Vorbesitzerin in diesem Auto viermal wegen überhöhter Geschwindigkeit auf einer Strecke mit dem allgemeinen Tempolimit 100 km/h geblitzt wurde. Gleich am ersten Abend im neuen Auto taten wir „etwas Gutes für die Umwelt“ und überfuhren ein Opossum. Das kleine Beuteltier tat mir leid, aber vielleicht haben wir damit ja ein Kiwiküken gerettet. An dem Abend fuhren wir zum Arthur’s Pass, und am nächsten Morgen lag etwas Schnee und unser Auto wurde von einigen Keas begutachtet. Aber sie haben ihm nichts getan, anscheinend gab es in der Umgebung noch interessanteres Spielzeug.

Nach der Reise hatte ich noch ca. 10 Tage in Nelson übrig, ich arbeitete ein paar Tage im LiquorKing, sagte den Kindern in der Grundschule Tschüss und all den anderen tollen Leuten, die ich in der Zeit kennengerlernt hatte.

 

Ich kann nur jedem empfehlen, ein Jahr im Ausland zu verbringen. Man lernt viel fürs Leben und über Menschen, aber vor allem jedoch über sich selbst. Ich habe viele Ideen für mein Leben gesammelt und es steht fest, dass ich noch viele der anderen Länder dieser Erde bereisen möchte. Fast jeder, dem ich von der Reise erzähle, fragt, ob ich denn zurück möchte. Die Antwort lautet: Natürlich und gerne auch für ein paar Jahre.

* Fjorde wurden von Gletschern geformt, Sounds von Flüssen

   
   

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