Maximilian Mudra ist in diesem Schuljahr Gastschüler in den USA.    
      Mail November 08        
         
    Viele Grüße aus Spring Grove, Minnesota! Ich bin jetzt seit ungefähr einem Monat hier und alles läuft perfekt. Nur mein Deutsch wird schlechter!^^ Spring Grove ist ein kleines Dorf mit 1300 Einwohnern an der südöstlichen Grenze von Minnesota. Die Landschaft ist wunderschön; Viel Wald und Berge. Ich lebe etwa 2 km außerhalb von Spring Grove auf
einem kleinen Bauernhof. Mein Gastvater war bis vor ein paar Jahren Bauer und ist jetzt Pastor in einer der Nachbarstädte. Ich lebe bei Familie Zaffke und habe 3 Gastbrüder. Peter (17), Isaac (20) und Andrew(25).

Ich gehe auf die Highschool hier in Spring Grove. Die Schule beginnt um 8:30 und hört um 15:15 auf. Jeden Wochentag! Dazu kommen zusätzliche Aktivitäten, wie Sport, Band oder Chor, Knowledge Bowl, Schauspiel und und und. Ich habe mich entschieden erstmal keinen Sport zu machen, da die Tage bissher eh alle ziemlich anstrengen und stressig waren und ich erst um ca 8 uhr zu Hause wäre. Dann müsste ich essen und noch ca 1-2 stunden Hausaufgaben machen. Und das war mir jetzt am Anfang einfach zu viel! Statt dessen bin ich in Knowledge Bowl und beim Schauspiel dabei.
Für Knowledge Bowl trifft man sich an einem Wochentag schon um 7:30 in der Schule. Knowledge Bowl ist eine Art Wissens-Wettbewerb. Es werden drei Gruppen gebildet. Diese sitzen an drei Guppentischen. Auf jeden
Tisch kommt ein Kabel, das, wenn man es berührt, ein Signal auslöst. Unser Politics Lehrer Mr. Lockner liest dann Fragen vor und die Gruppe die zuerst drückt muss eine Antwort finden. (Wenn Falsch: nächstes Team)
Die Fragen sind ziemlich schwer! Beispiel: "What is the Homestate of the writer and humorist, Garrison Keillor?" oder "Thermohaline circulation is based on what two factors that determine the density of water?". Also Fragen zu speziellen Themengebieten mit vielen Fachvokabeln. Für mich zusätzlich noch ziemlich schwer, weil der Lehrer eine sehr schlechte
Ausprache hat. Ich verstehe vielleicht die hälfte der Fragen und zu denen dann noch die Lösung zu wissen ist unwahrscheinlich. Wir hatten jetzt 3 Treffen und ich habe "schon" eine Frage richtig beantwortet!!!
Naja, soviel zu Knowledge Bowl. "The Autumne Play" - also Das Herbst Theater - ist dieses Jahr "Doggs Hamlet and Cahoots MacBeth. Ein Lustiges Stück, dass die Inhalte aus Hamlet und MacBeth verbindet und
gleichzeitig in dem Schauspiel auf die heutige Zeit übertragen wird. In dem Stück wird eine osteuropäische Sprache Simuliert, indem englische Wörter nonsense aneinander gereiht werden, die allerdings dann diese Sprache bilden... ALLES (NOCH) ZIEMLICH VERWIRREND!!!

Die Schulstunden an sich sind auch ziemlich "anders". Ich habe festgestellt, dass die amerikanischen Fächer sehr viel spezifischer sind. Mathe hat man hier entweder als Algebra oder als Calculus. Englisch entweder als american literature, english oder writing. Und man hat jeden Tag die selben Fächer, was einerseits gut ist, weil man seinen
Stundenplan schnell kennt und so einen geregelten Schultag hat, andererseits auch ziemlich langweilig wird. Ich habe 1. American History 2. Writing 3. Band/Choir 4. Power Systems 5. Advanced Algebra

Was man da macht?
American History - Über "Civil War", "Reconstruction" und "Industrialization" reden

Writing - Viel Grammatik; Aber man lernt wie man gut schreibt! (Die
Lehrerin ist echt gut)

Band/Chor - Sehr beeindruckend: etwa 60 Schüler in der Band (Alle haben ihr Instrument; viele Blechbläser, Flöten, Saxofone, Klarinetten...) Die Band Spielt bei Football und Volleyballspielen. (Pflicht) Der Chor besteht aus genau sovielen Schülern! Und die singen ziemlich gut... Nicht zu vergleichen mit deutschen Klassen!

Power Systems - Die coolste Klasse! Mechanik Unterricht. Bisher habe ich gelernt wie man Schweißt und einen Motor auseinander und wieder zusammen baut (an meinem eigenen Motor!)

Adv Algebra - Mathematik... Öde wie in Deutschland :P Die lernen hier in der 11., was wir in der 9. gelernt haben.


Zwischen den Stunden gibts jeweils 5 minuten Pause. Das ist viel zu wenig zeit, da man zum Schließfach laufen muss und dann in die nächste Klasse. Von der Mechanikhalle zum Matheraum sinds 2 treppen und 300 meter laufen. Ich hatte Glück, dass ich noch nie zu spät war. (Wer beim Klingeln nicht in der Klasse ist muss sich einen Zettel aus dem
Sekretariat holen; Bei drei Zetteln Nachsitzen!) Um 11:35 gibts dann eine halbe Stunde Lunch-Break. Das Essen ist ok, aber natürlich nicht mit Le Patrons zu vergleichen. Könnt ihr ihm ja mal ausrichten...

Hausaufgaben gibts viel. Die werden jeden Tag kontroliert und machen einen Großteil der Note aus. Die Hausaufgaben sind lang und einfach. Ich persönlich hasse das, weil ich zu viel Zeit für "nichts" verbrauchen MUSS.

Die Mitschüler sind eigendlich genauso wie in Deutschland. Nur "terror" gibts nicht so viel wie in deutschen Klassen. - Meine Klasse weiß was ich meine^^ Nebenbei Grüße an euch alle!!! - Der größte Unterschied zu deutschen Schulen ist der unglaublich große Stolz auf die Schule und das Land. Mitschüler werden Respektiert, genauso wie Lehrer, viele kommen um die Sportteams an zu feuern, es gibt Schul-hemden, -hymne, -maskotchen, -farben. All das verbindet die Schüler.

Soviel zu meinen bisherigen Erfahrungen...

Ich könnte noch Stundenlang weiterschreiben! Vielleicht könnt ihr mir ja mal ne E-mail mit weiteren Fragen schreiben. (mm.mudra [at] web.de) Die kann ich dann in meinem nächsten Artikel beantworten. Oder schaut
einfach mal bei Facebook vorbei. (Benutzen hier die meisten) Da gibts dann auch ein paar Fotos.

Euer Maximilian Mudra
   
               
   
   
               
   
   
    November 08          
   

Ein eisig kaltes "Hallo" aus dem für einen deutschen winterlichen Spring Grove! Hier ist es mittlererweile 25° kalt. Allerdings Fahrenheit! Somit also etwa -4° Celsius. Eis kratzen mussten wir zwar heute Morgen nicht,
doch als ich mit meinem Gastbruder dann auf dem Weg zur Schule war gefror der Regen auf der Frontscheibe. War nicht so schön! Dieses Wetter gibt mir schon eine ganz Weihnachtliche Stimmung. Hier ist das aber,
laut Gastfamilie und Mitschülern noch lange nicht der kühlste Punkt. Es kann wohl bis in die tiefen -30°F ( -34°C) gehen. Das wird für mich mal eine ganz neue Erfahrung, wenn es denn wirklich soweit kommt.
Heute ist der 11.11. Aber das bedeutet für hier nichts mit Karneval, wie ihr euch vielleicht denken könnt. Heute ist Veterans-Day. Beim Veterans-Day geht es darum, die Soldaten, die für die Vereinigten Staaten gekämpft haben, zu Ehren. Der Tag hieß ursprünglich "Armistice Day" (Tag des Waffenstillstands/Kriegsendes) und wurde zum Ende des 1.
Weltkrieges eingerichtet. Seitdem werden jedes Jahr Paraden in den großen Städten der USA veranstaltet und Kränze an den Gräbern von gefallen Soldaten und Denkmählern niedergelegt. Davon habe ich hier in Spring Grove aber natürlich nicht viel mitbekommen. Stattdessen hatten wir eine 1-stündige Zeremonie in der Schule. Alle Schüler waren dazu in
der Turnhalle versammelt. Auch ein paar Eltern waren da und natürlich die Veteranen von Spring Grove. Die hatten ihre Uniformen mit teils vielen Abzeichen und Mütze an. Dann wurden die Flagge der USA und der Veteranen reingetragen, wobei alle standen und die anwesenden Veteranen salutierten.  Es folgte die Nationalhymne gesungen vom Schulchor.
(inklusive mir) Danach hörten wir Reden von 3 Schülern und einem ehemaligen Soldaten. Die Schüler berichteten von ihren Erfahrungen beim Boy's-State bzw Girl's-State. Das ist ein Event, das von den Veteranen
gefördert wird, bei dem die Schüler eine Woche lang einen Staat simulieren. Vor allem das Regierungssystem wird den Schülern am "eigenen Leib" veranschaulicht. Die Jugendlichen finden sich in kleinen Gruppen zusammen. Sie vertreten dann ihre Stadt. Dann wird gewählt: Governor, Senator, President... Alle berichteten, dass es eine super Zeit war und
sie viele neue Freunde gefunden haben. Zuletzt haben wir dann noch ein anderes Lied gesungen.
Schule war für mich heute früher zu Ende als erwartet. Die Busfahrer hatten entschieden sie würden nur zu Schulschluss fahren. (Aufgrund des eisigen Wetters) Und aufgrund der Chancengleichheit für alle Schüler wurden daraufhin alle Nachmittagsaktivitäten abgesagt. So auch meine Theater-AG. Unsere Vorführungen werden nächsten Sonntag und Montag stattfinden.

Außerdem gibts zu berichten (Besonderheiten amerikanischer Schulen):

Jeder Lehrer hat einen Computer und ein Telefon in seinem Klassenraum und bekommt während des Unterrichts E-Mails und Anrufe aus dem Sekretariat.

"Lockdown": Wenn ein "Einbrecher" (eine verdächtig erscheinende oder bewaffnete Person; "Intruder") die Schule betritt, wird der Lockdown benutz. Es werden alle Türen zu Klassenzimmer automatisch verriegelt. Dafür hatten bis jetzt eine Probe (wir hatten schon 2 Feuerproben). Nachdem die Türen verriegelt sind verschanzen sich Lehrer und Schüler in einer sicheren Ecke um eventuellem Gewehr- oder Pistolenfeuer zu entgehen. Für mich erschien das alles ein "bisschen" übertrieben. Aber so ist Amerika nunmal und ich will ja auch nicht sagen, dass es schlacht ist für so einen Fall
vorzusorgen.

Ok, das war alles was mir gerade einfällt. Ich hoffe meine Rechtschreibung ist noch nicht zu schlecht. Ich merke auf jeden Fall schon das mein deutsch schlechter wird. (Ich spreche schon aus Reflex Englisch. Das ist eine ziemlich komische Sache...) Schöne Grüße an alle die mich kennen!