Das ABC der Zagreb-Fahrt 2012
Ajvar: Die absolute Konstante in der kroatischen Küche. Darüber machen sich Kroaten ge­legent­lich selber lustig: In praktisch jeder Pivnica wird die pikante Paste aus Paprika, Auberginen, Knob­lauch, Peperoni und weiteren Würz­zutaten zu den Gerichten an­geboten, die meistens aus mit Speck ange­reichertem Grill­fleisch und Ćevapčići und Hack­bällchen als Beilage (oder anders­herum) be­stehen. Ajvar ist somit ein probates Mittel, nicht dem Skorbut anheim zu fallen.
P.S.: Wieso gibt es in Deutsch­land eigentlich so selten schmack­hafte Pommes frites?
L.F.


Blick vom Sljeme
Museum of Broken Relationships

Broken Relationships: Den zer­brochenen Be­ziehun­gen wid­met Zagreb ein gesam­tes Museum. Dass es merk­würdige Gegen­stände — Fuß­prothesen, Frisbee­scheiben, Hochzeits­fotos, Sex-Toys,…  —  in diesem Museum zu sehen gibt, ist das eine. Das andere ist, dass die Spender der Exponate auch die Geschichte hinter­lassen haben, die sie mit den Gegenständen ver­bindet und die meistens (aber eben nicht immer) eine traurige ist. Besonders in Erinne­rung ist dem Kurs die aus­gestellte Axt ge­blieben, mit der einer der Expo­naten­spender das Mobiliar seiner Freun­din behandelt haben will.
N.N.

Cherry-Hostel
Cherry Hostel

Cherry-Hostel: Unter­kunft, die vom Seminar­fach Myko­logie bezogen wurde. Mit den aus deutschen Jugend­her­bergen be­kannten sparta­nischen Betten. Anfangs in einem sehr sau­beren Zustand (→Hygiene), was sich trotz inten­siver Bemü­hungen einiger Teil­nehmer der Fahrt nicht wesentlich ändern ließ… die supernette Herbergs­mutter ver­fügte offenbar über magische (Reini­gungs-)Kräfte.
Merlin

Disco-Dusche: Der Kultort der Kroatien­fahrt und ledig­lich dem männ­lichen Teil der Reise­gruppe vorbehalten. Der Duschkopf in den Sanitär­anlagen der Schüler (→Cherry-Hostel) sonderte nicht allein Wasser, sondern auch (LED sei dank!) ein buntes Farben­spiel ab. Hier konnte das Motto nur lauten: Licht aus! Dusche an! Schon ging die Post ab.
Jelko

Europäische Union: Wir spre­chen mit einer Dame in der Uspinača, die wie viele Zagreber hervor­ragend Deutsch kann. Nach dem Austausch einiger Artig­keiten über das Land des anderen bricht es aus der Dame heraus: „Nehmt uns bloß nicht in die EU auf. Unsere Politiker sind alles Ver­brecher.“ Tat­sächlich stand während unseres Aufent­halts in Zagreb ein ehe­maliger Regierungs­chef wegen Korrup­tion vor Gericht.
L.F.

Fungi, Lord: Der vom gesamten Kurs angebetete Pilzgott, der jeden Teilnehmer auch bei schlechtester Witterung und steilstem Aufstieg sicher durch sein Waldreich führte.
Malte

botanischer Garten
Der botanische Garten

Garten, botanischer: Ein Idyll mitten in Zagreb, das mit seiner süd­lichen Vege­tation in der Oktober­sonne ein wahres Sommer­feeling auf­kommen ließ. Als ein paar Kurs­teilnehmer sich aller­dings aufgrund des Schlaf­mangels (→Nachtruhe) auf dem Rasen des bota­nischen Gartens nieder­ließen, wurden sie mit bösen Blicken bedacht. Eben­falls ver­boten: Die Hand über die Schild­kröten des Gartens halten. Erlaubt dagegen: Schild­kröten streicheln.
N.N.

Hygiene: wird in Kroatien ganz anders ge­schrieben, aber auf jeden Fall groß, zumindest im über­tragenen Sinne. Der Kurs hatte sich schon fast an die nahezu pene­trante Sauber­keit von Zagreb gewöhnt, da löste ein Auto­mat auf der Herren­toilette einer Pivnica faszi­niertes Er­staunen aus: Was man dort diskret nach dem Einwurf einiger Münze aus dem Schub­fach des Auto­maten ziehen konnte, waren…   Zahn­bürsten.
Merlin

Ilica: Die Shopping-Meile von Zagreb. Ein Paar Schuhe, das eines Morgens vor dem Zimmer der Schülerin­nen stand und fast so funkelte wie die legendäre Disko-Dusche in vollem Betrieb, musste wohl von dort stammen.
L.F.


Blick vom Sljeme
Blick vom Sljeme

J
ausenhütte: (Pferde­freunde lesen bitte bei K weiter) Den Sljeme, mit 1032 m Haus­berg Zagrebs, krönt eine Jausenhütte, also ein Lokal, in dem man ein­fache Speisen erhält. Der Kurs er­reichte diesen Fress­tempel nach vier­stündigem stets steil bergauf führ­enden Marsch im Stadium der De­hyd­rierung und natür­lich mit Bären­hunger. Die Karte versprach opulente Grill­platten, leckere Fleisch­gerichte, knusprige Pommes (alles mit Ajvar), kurz: Alle erdenk­lichen kuli­narischen Träume, die müde Wanderer sich vor­stellen können. Doch wurden diese Träume regel­recht zer­schmettert, als der un­freund­liche Kellner dem Kurs mitteilte, was Bestand­teil der wirk­lichen Speise­karte sei, nämlich „Horsegoulash.“ „Horsegoulash? What else?“ „Only, horsegoulash.“ Dieses Gericht be­stellten dann nur die beiden Ver­wegensten (oder Hungrig­sten?) der Wander­gruppe. Wie zu er­fahren war, schmeckte es „an sich nicht schlecht“ und „ein biss­chen wie Gulasch aber keines­wegs nach mehr.“
N.N.

Kremšnite: Ein kroa­tisches Wort, das jedem Deutschen gut von der Zun­ge geht. Bzw. ein deutsches Wort, das so wenig Vokale ent­hält, dass es auch von Kroaten akzep­tiert werden kann. Also die Basis für eine gel­ungene Völ­ker­verstän­digung. Im für seine Kremšnite berühm­ten Ort Samobor am Fuße des Tepec, be­stellte die Hälfte des Kurses (nun also in fließender Landes­sprache) diese Spezi­alität. Die Creme­schnitte wird (meistens?) ohne Ajvar gereicht und schmeckt ehrlich gesagt nicht so berau­schend.
Christian

Lanterna: Restaurant im Herzen Zagrebs. Hier wollten die Teil­nehmer der Fahrt nach vielen ange­nehmen kuli­narischen Erlebnis­sen und wenigen gastro­nomischen Tief­schlägen (→Jausen-hütte, Kremšnite) am letzten Abend noch einmal Prunk und Luxus genießen. Und es stimmte alles: Eine freund­liche Bedienung, leckere Speisen und schmack­haftes Bier*. Begeistert gab man sein letztes kroa­tisches Münz­geld.
Jelko
 
Mittag: Wer in Zagreb nicht weiß, dass Mittag ist, hat den Schuss nicht gehört. Punkt 12.00 wird auf dem Kula Lotrščak (dem Lotrščak-Turm an der Berg­station der Uspinača) eine Kanone abge­feuert. Als Fremde durften wir fest­stellen: Der Kroate spart nicht an Kawumms.
N.N.
Nachtruhe: (1) allgem.: Das Unter­lassen von mit Lärm ver­bun­denen Tätig­keiten zwi­schen 22.00 und 6.00. (2) kroat.: Kra­kelen, Singen, Möbel­rücken, Jung­gesellena­bschied feiern,… in jedem Fal­le aber ein mögl­ichst lautes Igno­rieren der von den eben­falls im Cherry-Hostel untergebrachten Fahrt­teil­nehmern gehegten Schlaf­gelüste.
N.N.

In der Oberstadt
In der Oberstadt

Oberstadt: Einst das Viertel der mäch­tigen und selbst­bewussten Bürger­schaft Zagrebs. Heute vor allen Dingen eines: Schön. So schön wie Prag rund um den Hradschin aber mit fast men­schen­leeren Gas­sen. Selbst das Parla­ments­gebäude wird bewacht von einem ein­zigen ein­samen Poli­zisten.
L.F.

Pivnica: Kroa­tische In­sti­tu­tion. Ein­faches Lo­kal mit gutem, bill­igen Essen und köst­lichem Trunk*. Ge­legent­lich mit zentner­schweren Stühlen aus­gestat­tet. Der Kurs stellte fest: Einzel­rech­nungen sind unerwünscht, gezahlt wird die Zeche des gesamten Tischs stets in einem Vorgang.
Malte

Q
uer durch die Stadt: Von Stipe, einem wasch­echten Kroa­ten wurde der Kurs quer durch die Stadt geführt. Man erfuhr einiges über die Sehens­würdig­keiten und auch die stil­leren Ecken Zagrebs. Außer­dem gab es als Tipp den Hinweis auf die ein oder andere Pivnica.
L.F.

Rückreise: Wie der Kurs auf der Rück­reise fest­stellen durfte, gehört zur Angebots­palette der Deutschen Bahn in­zwischen auch ein ge­die­genes Unter­haltungs­pro­gramm. Nach­dem der genutzte Zug irgend­wo im West­fälischen von einer liegen­geblie­benen Regional­bahn am Weiter­fahren gehindert wurde, spran­gen an­gesichts der we­gen der Warte­zeit zu be­fürch­tenden Lange­weile Zug­füh­rerin und Lok­führer in die Bresche, um die zer­mar­ter­ten Rei­sen­den durch eine immer raschere Ab­folge einander möglichst stark wider­sprechen­der Durch­sagen bezüglich der wei­teren Reise­ver­bin­dungen zu er­heitern. Thank you for travelling the Deutsche Bahn. Dank Dich selbst!
N.N.


Straßenbahnen: Sie sind sauber, sie sind über­füllt und sie brin­gen einen über­all hin. Und in ihnen geht es meistens freund­lich zu (nur wenn man zu ein­fältig im Weg steht wird man kroa­tisch-kon­so­nantisch zum Henker ge­wünscht).
In einer Nacht­linie kommt ein Gespräch mit dem in Stutt­gart gebür­tigen Fah­rer zu­stande. Er arbeitet tags­über in einer Wurst­fabrik, nachts als Straßen­bahner. Wenn er genug Geld auf die Seite ge­bracht hat, möchte er seinen Traum ver­wirk­lichen: Die Eröff­nung einer Metz­gerei im Schwarz­wald.
Sebastian

 Auf dem Tepec
Am Tepec, fast ganz oben

Tepec: Berg bei Samobor, ca. 15 km west­lich von Zagreb. Be­steigung ent­lang der Süd­route. Biwak auf hal­ber Höhe. Danach nur noch mit Steig­eisen. Oben schließ­lich Hallu­zi­nationen. Haben wir tat­sächlich Fran­zösin­nen ge­sehen? Toll­kühner Ab­stieg entlang des Haupt­grats. Trotz akro­ba­tischer Ein­lagen von Teilen der Seil­schaft ist niemand im Berg ge­blieben.
N.N.

Seilbahn
Die Uspinača

Uspinača: Noch mehr als eine Fahrt mit der Zagreber Stra­ßen­bahn und ganz im Ge­gen­satz zu den Rei­sen mit den Zügen der Deutschen Bahn (→Rückreise) ist die Fahrt mit der Seil­bahn Uspinača, die in Zagreb Unter- und Ober­stadt ver­bindet, eine fried­volle Er­fah­rung, die aller­dings auch nur 20 Se­kunden  dauert.
Kevin

Vierbeiner
Vierbeiner in Zagreb

Vierbeiner:  (1) Die Schildkröten im bota­nischen Gar­ten von Zagreb (2) Kätz­chen auf dem Sljeme (süß) (3) Pferde auf dem Sljeme (pikant Jausenhütte) (4) Yaks
N.N.

Im
                        Maksimir-ParkIm Maksimir-Park

Wald: Beginnt in Zagreb mitten in der Groß­stadt. Fährt man zum Maksimir-Park (dem größten Park Süd­europas) kann man durch die Park­land­schaft wan­dern, bis man dann auf die bewal­deten Aus­läufer der Medvednica trifft. „Kann man, muss man aber nicht!“ beschließt der jugend­liche Teil der Reise­gruppe.
L.F.

Xerula radicata: Der schlei­mige Wurzel­rübling. Ein auch in Fries­land nicht sel­tener Pilz, der rund um Zagreb nahezu über­all an­zutref­fen war. Von Lord Fungi schließ­lich nur noch mit Herab­las­sung be­trach­tet. (Bei L.F. Wan­genröte hinter­lassend je­doch: Aman­ita echino­cephala, Ama­nita sub­nudi­pes, Co­pri­nus pica­ceus, Geastrum coro­natum, Hygro­phorus ebur­neus… Ach!)
L.F.

Keine Yaks
Keine Yaks

Yaks: hat keiner von uns gesehen.
Jelko

ZET: Zagrebački Električni Tramvai. Die Verkehrs­betriebe der Stadt Zagreb. Ein zu­ver­lässiges, sehr kunden­freund­liches Unter­nehmen. Aller­dings mit einer präm­ierten Un­durch­sichtig­keit, was Bus­ver­bin­dungen und Tarif­möglich­keiten angeht. Die Frage, ob man bei der ZET eine Wochen­karte er­werben könne wurde am ersten Tag der Fahrt dreimal mit „Nein“ und fünfmal mit „Ja, aber nicht hier“ be­ant­wortet. Um der Sache auf den Grund zu gehen, wurde der Kurs­leiter bei der ZET-Zentrale vor­stellig. Dort lautete die Ant­wort auf die Frage nach einer Wochen­karte weder Ja noch Nein, sondern bestand aus einem tiefen Seufzer. Es gab jedoch die Karten, dauerte nur ein Weil­chen. Man hätte in der Zeit neunzig Mal mit der Uspinača fahren können. Nur wie, ohne Wochen­karte?
L.F.

* Nach Angaben der Einheimischen.